
Warum Kaschmir besonders hautschonend ist
Wer empfindliche Haut hat, kennt das Problem mit Wolle: es kratzt. Bei Kaschmir liegt das anders — und das hat physikalische Gründe, keine Marketinggründe.
Warum Wolle kratzt
Kratzen entsteht, wenn Faserenden steif genug sind, die Haut zu reizen. Ob eine Faser das tut, hängt an ihrer Dicke, gemessen in Mikron. Ab rund 30 Mikron sind die Enden so starr, dass sie auf der Haut stehen bleiben statt umzuknicken — die Nerven melden „Pieken“, egal wie hochwertig die Wolle sonst ist. Klassische Schurwolle liegt oft über 25 Mikron, ein Teil der Fasern darüber. Genau die spürst du.
Feine Faser, kein Kratzen
Kaschmir liegt bei 14 bis 16 Mikron und ist damit so fein, dass die Enden nachgeben statt zu pieken. Das ist keine Frage der Verarbeitung, sondern der Faser selbst: Ein Kaschmirpullover kratzt nicht, weil er nicht kratzen kann. Deshalb lässt sich ein V-Ausschnitt oder ein Dreieckstuch direkt auf der Haut tragen — dort, wo man es sofort merken würde.
Und Merino?
Merino liegt bei 17 bis 24 Mikron — deutlich feiner als klassische Schurwolle und flacher auf der Haut. In unserer 95/5-Mischung kommt zweierlei dazu: Das Garn wird gebürstet, die Faserenden werden aufgeraut und liegen weich, statt zu stehen. Und der Kaschmiranteil bringt die Weichheit. Wer bei Wolle sonst kratzt, kommt mit gebürstetem Merino-Kaschmir meist gut zurecht; wer sehr empfindlich ist, nimmt reines Kaschmir.
Temperaturregulierung
Die Faser ist hohl und nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen. Sie wärmt, wenn es kalt ist, und staut keine Hitze im überheizten Raum. Für die Haut heißt das: kein Schwitzen unter dem Pullover, kein feuchtes Klima, in dem Reizungen entstehen. Kaschmir liegt trocken auf, den ganzen Tag.
„Wollallergie“
Was oft als Wollallergie gilt, ist meistens eine Reizung durch grobe Faserenden — oder eine Reaktion auf Lanolin, das Wollfett des Schafs. Kaschmir ist Ziegenhaar: keine groben Enden, kaum Lanolin. Wer bei Schafwolle rote Stellen bekommt, verträgt Kaschmir in den meisten Fällen problemlos. Bei einer echten Allergie entscheidet der Arzt, nicht der Pullover.
Ohne Chemie
Wir färben ohne Bleichmittel. Weniger Ausrüstung auf der Faser heißt weniger, was die Haut reizen kann. Helle Farben entstehen bei uns aus heller Rohfaser, nicht aus gebleichter dunkler. Und die Oberfläche wird nicht mit Weichmachern nachbehandelt — was du fühlst, ist die Faser.
Damit es so bleibt
Die Pflege entscheidet mit. Normale Waschmittel enthalten Enzyme und Duftstoffe, die auf der Faser bleiben; Weichspüler legt einen Film darüber. Beides kann empfindliche Haut reizen — und beides ist überflüssig. Wollwaschmittel, kalt, klar nachspülen, liegend trocknen: So bleibt Kaschmir so hautschonend wie am ersten Tag. Die Pflegeanleitung.
Kurz
- Kratzen kommt von Faserenden über rund 30 Mikron — Kaschmir liegt bei 14 bis 16
- Merino-Kaschmir gebürstet: für die meisten angenehm, bei sehr empfindlicher Haut reines Kaschmir
- Hohle Faser: wärmt, ohne Hitze zu stauen
- Kaum Lanolin, ohne Bleichmittel gefärbt
- Pflege mit Wollwaschmittel, ohne Weichspüler

