
Warum Kaschmir? Was die Faser von Wolle unterscheidet
Kaschmir ist keine Schafwolle. Es ist das Unterhaar der Kaschmirziege — und dieser eine Unterschied erklärt fast alles, was an Kaschmir anders ist: das Gewicht, die Wärme, den Griff, den Preis.
Unterhaar, kein Vlies
Die Kaschmirziege überwintert in den Hochebenen Zentralasiens, bei Temperaturen bis minus 30 Grad. Unter dem groben Deckhaar wächst ihr dafür ein feines, dichtes Unterhaar. Im Frühjahr wird es ausgekämmt, nicht geschoren — rund 150 Gramm pro Tier und Jahr. Ein Schaf gibt ein Vielfaches davon. Das ist der Grund, warum Kaschmir selten ist, und der Grund, warum es sich anders anfühlt. Mehr zur Herkunft der Faser.
Feiner als jede Wolle
Die Feinheit einer Faser wird in Mikron gemessen, Tausendstel Millimeter. Klassische Schurwolle liegt meist über 25 Mikron, Merino zwischen 17 und 24, Kaschmir bei 14 bis 16. Der Unterschied klingt klein und ist entscheidend: Ab rund 30 Mikron sind Faserenden steif genug, die Haut zu reizen. Darunter geben sie nach, statt zu pieken. Deshalb kratzt Wolle — und Kaschmir nicht, auch auf empfindlicher Haut. Warum Kaschmir hautschonend ist.
Warm ohne Gewicht
Die Kaschmirfaser ist innen hohl. Diese Luftkammern halten die Körperwärme — deshalb wärmt Kaschmir bei einem Bruchteil des Gewichts von Wolle. Ein Kaschmirpullover liegt auf der Haut, statt auf den Schultern zu lasten.
Gleichzeitig nimmt die Faser Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen, und gibt sie wieder ab. Sie wärmt, wenn es kalt ist, und staut keine Hitze im überheizten Büro. Das macht Kaschmir zum Stück für die Übergangszeit und für drinnen das ganze Jahr.
Es wird besser, nicht schlechter
Die meisten Textilien sind am ersten Tag am schönsten. Kaschmir nicht. Es wird mit dem Tragen und Waschen weicher, weil sich die Faser entspannt und die Oberfläche öffnet. Nach der ersten Wäsche fühlt sich ein Pullover anders an als neu — und das ist gewollt. Pilling gehört am Anfang dazu und lässt nach. Ein Grade-A-Stück kostet mehr im Einkauf und weniger pro getragenem Tag.
Kaschmir oder Merino-Kaschmir?
Wir stricken beides, und beides hat seinen Platz. Reines Kaschmir ist das Feinste und Leichteste — der große Schal, das Dreieckstuch, der feine Pullover mit dem leisen Griff, den nur echtes Kaschmir hat.
95 % Merinowolle mit 5 % Kaschmir ist die Mischung für Stücke, die oft getragen und oft gewaschen werden: Merino hält die Form besser und ist strapazierfähiger, der Kaschmiranteil bringt die Weichheit. Das Garn wird zusätzlich gebürstet — die Faserenden werden aufgeraut, die Oberfläche wird flauschig, wolkig weich. Für eine Strickhose, ein Argyle oder den Pullover, der im Schrank am meisten arbeitet, ist das die haltbarere Wahl.
Wie viel Kaschmir steckt in „Kaschmir“?
Ein Blick aufs Etikett lohnt sich. „Mit Kaschmir“ kann alles heißen — von fünf Prozent in Kunstfaser bis zu einer bewusst gewählten Mischung wie unserer, Merino für die Form, Kaschmir für die Weichheit. Entscheidend ist, was der Rest ist. Und „100 % Kaschmir“ sagt nur, welche Faser drin ist, nicht wie lang sie ist und wie dicht sie gestrickt wurde. Woran du gutes Kaschmir erkennst.
Was Kaschmir braucht
Wenig. Einen Tag Lüften zwischen zwei Tragetagen, selten eine kalte Handwäsche, liegend trocknen, gefaltet lagern. Keinen Bügel, keine Heizung, keinen Trockner. Alles Weitere steht in der Pflegeanleitung.






