
Geschichte & Tradition des Kaschmirs
Kaschmir kommt von der Kaschmirziege, die in den Hochebenen Zentralasiens überwintert — bei Temperaturen bis minus 30 Grad. Ihr feines Unterhaar ist die Faser, um die es geht. Alles andere an dieser Geschichte folgt aus diesem Winter.
Die Ziege und ihr Winter
Gegen die Kälte bildet die Ziege unter dem groben Deckhaar ein zweites Fell: kurz, dicht, fein wie nichts sonst im Tierreich, das in dieser Menge vorkommt. Je härter der Winter, desto feiner die Faser. Deshalb kommt das beste Kaschmir aus den kältesten Regionen — der Mongolei, dem Norden Chinas, dem Hochland zwischen Indien und Pakistan.
Kämmen, nicht scheren
Im Frühjahr, wenn die Ziege das Unterhaar abwirft, wird es ausgekämmt — von Hand, Tier für Tier. Scheren würde Deckhaar und Unterhaar mischen. Eine Ziege gibt im Jahr rund 150 Gramm brauchbares Unterhaar. Für einen Pullover braucht es das Vlies mehrerer Tiere, für einen großen Schal ebenso. Das ist der Grund, warum Kaschmir selten ist, und der Grund für seinen Preis.
Woher der Name kommt
Der Name geht auf die Region Kaschmir zurück, in der die Tücher gewebt wurden — im Himalaya, zwischen Indien, Pakistan und China. Die Faser kam aus den Hochebenen dahinter; die Weber in Kaschmir machten daraus, was Europa später als „Cashmere“ kennenlernte: fein gewebte Tücher mit eingewebten Mustern.
Die Blütezeit
Unter den Mogulherrschern im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Kaschmirtücher zum Handelsgut entlang der Seidenstraße. Ein Tuch konnte Monate Arbeit bedeuten, die Muster waren so fein, dass sie von beiden Seiten gleich aussahen. Sie wurden an Höfen getragen und verschenkt — als Zeichen, dass man es sich leisten konnte.
Vom Hochland nach Europa
Über Handelswege kam der Stoff im 18. Jahrhundert nach Europa und wurde zum Statusstück: Schals, die man vererbte. In Paris und London waren sie so begehrt, dass Weber in Schottland begannen, die Muster nachzuweben — im Ort Paisley, dessen Name seither an dem Muster hängt. Das Original blieb das Original: Kaschmir aus dem Hochland, von Hand gekämmt.
Vom Tuch zum Strick
Gewebt war Kaschmir ein Tuch. Gestrickt wurde es erst, als im 19. und 20. Jahrhundert Spinnereien in Europa begannen, die Faser zu Garn zu verzwirnen — in Schottland, später in Italien. Aus dem Tuch wurde der Pullover, aus dem Statusstück das Kleidungsstück. Was blieb, ist die Regel, dass ein gutes Stück Jahrzehnte hält.
Heute
Gute Ware ist rückverfolgbar: von der Herde über die Spinnerei bis zum fertigen Stück. Unseres ist es, bis zur Spinnerei. Das ist keine Nostalgie, sondern die einzige Art, sicher zu sein, dass in „100 % Kaschmir“ auch die Faser steckt, für die man bezahlt. Woran du gutes Kaschmir erkennst.
Was davon bleibt
Ein Stück Kaschmir wird heute genauso gemacht wie vor zweihundert Jahren: eine Ziege, ein Winter, ein Kamm. Was du in der Hand hältst, hat den gleichen Ursprung wie die Tücher, die man einst vererbte. Behandle es so — und es hält so lange.

