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Artikel: Woran erkennt man gutes Kaschmir?

Argyle Pullover in Toffee Blush Lipstick, gebürsteter Merino-Kaschmir-Strick in der Nahaufnahme
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Woran erkennt man gutes Kaschmir?

Kaschmir gibt es für 60 Euro und für 600 Euro, und auf beiden Etiketten steht „100 % Kaschmir“. Der Unterschied steckt nicht im Etikett, sondern in der Faser, im Garn und im Strick. Sechs Dinge, die du prüfen kannst — im Laden mit den Händen, zu Hause nach dem ersten Winter.

1. Die Faser: lang und fein

Alles beginnt mit dem Rohmaterial. Gutes Kaschmir besteht aus langen, feinen Fasern — Grade-A, 14 bis 16 Mikron. Lange Fasern lassen sich fest verzwirnen und rutschen aus dem Garn nicht heraus. Kurze Fasern tun genau das: Sie lösen sich, bilden Knötchen, und das Stück leiert aus.

Sehen kannst du die Faserlänge nicht. Aber du spürst sie nach ein paar Monaten — daran, ob ein Pullover noch seine Form hat. Was Grade-A genau bedeutet.

2. Das Garn: einfach oder doppelt verzwirnt

Aus der Faser wird ein Faden, aus zwei Fäden ein Garn. Doppelt verzwirnt heißt: Zwei Fäden sind umeinander gedreht. Das Garn wird dichter und runder, der Strick formstabiler und haltbarer. Einfach gezwirntes Garn ist leichter und billiger — und dünner, es gibt schneller nach.

Auf dem Etikett steht das selten. Du erkennst es am Strick: Doppelt verzwirntes Kaschmir hat Substanz zwischen den Fingern, einfach gezwirntes fühlt sich dünn und flach an.

3. Der Strick: dicht, nicht luftig

Halte das Stück gegen das Licht. Ein guter Strick ist gleichmäßig und dicht, ohne lichte Stellen. Zieh ihn sanft auseinander und lass los — er soll in seine Form zurückgehen. Bleibt er gedehnt, ist der Strick zu locker oder das Garn zu kurz.

Die Feinheit des Stricks wird in Gauge gemessen, der Zahl der Nadeln pro Zoll. 12-Gauge ist fein und dicht: leicht genug für drinnen, warm genug für draußen.

4. Der Griff: weich, mit Substanz

Kaschmir soll weich sein — aber nicht seifig. Fühlt sich ein Stück im Laden ungewöhnlich glatt und rutschig an, ist oft nachgeholfen worden, mit Weichmachern oder starkem Bürsten der Oberfläche. Das ist nach der ersten Wäsche weg, und was bleibt, ist ein dünnes Gestrick.

Gutes Kaschmir macht es umgekehrt: Neu fühlt es sich leise und fein an, und es wird mit dem Tragen und Waschen weicher. Nach der ersten Wäsche ist es anders als neu — und das ist gewollt.

5. Die Farbe: gleichmäßig, ohne Bleichmittel

Eine gute Färbung ist gleichmäßig — keine helleren Stellen, keine Wolken, keine Ränder an den Nähten. Und sie kommt ohne Bleichmittel aus: Wer helle Farben will, setzt helle Rohfaser ein, statt dunkle zu bleichen. Bleichen macht die Faser spröde, und weniger Chemie auf der Faser heißt auch weniger, was die Haut reizen kann.

6. Pilling: dass es nachlässt

Jedes reine Kaschmir pillt am Anfang. Das ist kein Fehler, sondern Physik: Feine, kurze Haare lösen sich an Reibungsstellen. Der Unterschied zeigt sich danach. Bei guter Ware lässt das Pilling nach den ersten Tragezyklen deutlich nach, weil die losen Haare weg sind und die langen bleiben. Bei kurzen Fasern hört es nie auf.

Die Knötchen nimmt ein Kaschmirkamm ab — so geht das.

Und der Preis?

Eine Ziege gibt im Jahr rund 150 Gramm brauchbares Unterhaar. Für einen Pullover braucht es das Vlies mehrerer Tiere. Allein die Rohfaser hat deshalb ihren Preis — ein sehr günstiges „100 % Kaschmir“ spart an der Faserlänge, am Zwirn oder an der Dichte des Stricks. Meist an allen dreien.

Umgekehrt ist teuer kein Beweis. Der Preis ist ein Hinweis, die sechs Punkte darüber sind der Test.

Herkunft

Gute Ware ist rückverfolgbar: von der Herde über die Spinnerei bis zum fertigen Stück. Unser Garn trägt einen Code, über den sich die Herkunft nachvollziehen lässt. Fehlt jede Angabe zur Herkunft, ist das kein Beweis für schlechte Qualität — aber ein Grund, genauer hinzusehen.

Kurz

  • Faser: Grade-A, 14 bis 16 Mikron, lang
  • Garn: doppelt verzwirnt
  • Strick: dicht, geht in Form zurück
  • Griff: weich mit Substanz, nicht seifig
  • Farbe: gleichmäßig, ohne Bleichmittel
  • Pilling: lässt nach, hört nicht auf
  • Herkunft: nachvollziehbar

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