
Was bedeutet Grade-A? Kaschmirqualität erklärt
Grade-A ist keine Marketingvokabel, sondern eine Einordnung der Rohfaser — nach Länge und Feinheit. Beides wird gemessen, bevor aus dem Unterhaar der Ziege ein Garn wird. Und beides entscheidet darüber, wie ein Pullover nach drei Wintern aussieht.
Wie Kaschmir eingestuft wird
Nach dem Auskämmen wird das Unterhaar sortiert: Die feinsten und längsten Fasern sind Grade-A, mittlere Grade-B, die gröbsten und kürzesten Grade-C. Die Grenzen liegen ungefähr bei 14 bis 16 Mikron für A, 16 bis 19 für B, darüber C. Ein Mikron ist ein Tausendstel Millimeter — der Unterschied ist mit dem Auge nicht zu sehen, mit der Haut sofort.
Aus jeder Stufe lässt sich „100 % Kaschmir“ stricken. Das Etikett verrät die Stufe nicht.
Faserlänge
Lange Fasern lassen sich fester verzwirnen und rutschen im Garn nicht heraus. Genau das entscheidet, ob ein Pullover nach drei Wintern noch schön ist oder ausgeleiert wirkt. Kurze Fasern halten nur so lange im Garn, bis Reibung sie löst — dann bilden sie Knötchen, und das Gestrick wird mit jeder Wäsche dünner.
Sichtbar wird die Länge erst mit der Zeit: Ein Grade-A-Stück pillt am Anfang und hört damit auf. Ein Stück aus kurzer Faser hört nie auf.
Feinheit
Gemessen in Mikron: je feiner, desto weicher auf der Haut. Grade-A liegt typischerweise bei 14 bis 16 Mikron — fein genug, dass nichts kratzt. Ab rund 30 Mikron sind Faserenden steif genug, die Haut zu reizen; Schurwolle liegt oft darüber, Merino bei 17 bis 24. Kaschmir liegt so weit darunter, dass die Enden nachgeben, statt zu pieken. Warum das auch bei empfindlicher Haut gilt.
Woher die feinsten Fasern kommen
Die Feinheit ist kein Zufall, sondern Klima. Die Kaschmirziege überwintert in den Hochebenen Zentralasiens bei bis zu minus 30 Grad — je kälter der Winter, desto feiner und dichter das Unterhaar, das sie dagegen bildet. Im Frühjahr wird es ausgekämmt, nicht geschoren. Eine Ziege gibt rund 150 Gramm im Jahr, davon nur ein Teil Grade-A. Mehr zur Herkunft.
Was Grade-A nicht garantiert
Die beste Faser ist erst der Anfang. Danach kommt das Garn: einfach oder doppelt verzwirnt. Und der Strick: dicht oder luftig. Ein Grade-A-Garn, dünn gezwirnt und locker gestrickt, hält nicht länger als ein mittleres. Deshalb zwirnen wir jede Qualität doppelt und stricken sie fein und dicht. Wie du das prüfst, steht in Woran erkennt man gutes Kaschmir?.
Und bei Merino-Kaschmir?
Auch dort. Der Kaschmiranteil in unserer 95/5-Mischung ist dieselbe Faser wie im reinen Kaschmir — Grade-A, weil eine kurze Faser in einer Mischung genauso herausrutscht wie in einem reinen Garn. Das Merino bringt die Formstabilität, das Bürsten die wolkig weiche Oberfläche.
Was das für dich heißt
Ein Grade-A-Stück wird mit dem Tragen weicher, statt sich abzunutzen. Es kostet mehr im Einkauf und weniger pro getragenem Tag. Nach fünf Wintern ist es das Stück, zu dem du weiter greifst — und der Preis ist längst auf ein paar Cent pro Tag verteilt.
Woran du es erkennst
- Herkunftsnachweis: Gute Ware ist rückverfolgbar, bei uns über einen Code am Garn
- Griff: weich mit Substanz, nicht seifig
- Pilling: lässt nach den ersten Tragezyklen deutlich nach
- Form: geht nach dem Dehnen zurück

